Camping im Nationalpark Siete Tazas

Für die ganz verrückten Kajaker dieser Welt sind sie ein total abgefahrenes Revier: Die ‚Siete Tazas‘ – die Sieben Tassen. Doch für uns beide sind sie ein richtiges aber ebefalls spektaktuläres Touri-Ausflugsziel. Der gletschergespeiste Rio Claro frisst sich auf seinem Weg durch den Rio Maule durch einen Balsalt-Riegel. Dank glazialer Urkräfte hat er sieben nacheinender runde Pools im schwarzen Gestein geschaffen: Tassen eben.

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Darauf folgt eine spiralförmige Verengung in einen sehr schmalen tiefen Felskanal, an dessen dunklem Ende, ein Wasserfall so 15 -20 Meter in den riesigen Tumpf fällt.

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Einmal mit dem Kajak in der ersten Tasse dürfte der Wasserfall gebucht sein. Da es sehr trocken ist, so denke ich, könnte ich wohl noch in der sechsten Tasse rauskommen. Zum Glück fehlen die Paddelkameraden und das Bootsmaterial.

Weiter führt die Schotterpiste dem Rio Claro entlang bis zur Basisstation des Parque National.

Hier werden wir auf einem Campingplatz die Nacht im ausgeliehenen Zelt, auf dicken aufgeblasenen Matratzen und in Schlafsäcken verbringen. Doch zuvor ist Zeit um die schöne Gegend zu erkunden, die letzte Sonnenstunde am Ufer des Rio Claro mit Buch und dösend zu verbringen. Dann ein feines „Lomo con Papa Fritas“ in der einzigen Osteria weit und breit und schon rufen die tollen chinesischen Liegeflächen. Doch wir können noch nicht in den Schlafsack kriechen, da der fast runde Mond taghell die atemberaubende Anden-Kullise erleuchtet. Zeitgleich treten immer mehr Sterne am klaren Nachthimmel hervor und leuchten millionenfach um die Wette. Mit einem Glas ‚oveja negra‘ in der Hand werden wir ganz ruhig und dankbar für diesen Moment.

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Die Nacht ist kalt und die Ausrüstung nicht ganz so gewohnt. Aber die Fleecedecken aus dem Flieger und vor allem die tollen Schals aus der Familia Kolping in Pichidegua leisten uns gute Dienste.

Am Morgen dann wird es rasch hell und um 8:30 Uhr erscheint auch die Sonne. Sofort wird es warm und wir können gut frühstücken. Heute echt chilenisch: Die mit Expressogeschmack versetzte Milch ist äußerst cremig und nicht minder süß. Die Trauben haben noch mehr Zucker zu bieten, das Weißbrot ist noch frisch aber zäh. Und trotzdem schmeckt es uns. Schnell ist zusammen geräumt, denn wir haben eine Wanderung bergauf in den Nationalpark geplant. Dazu müssen wir uns bei den Parkwächtern registrieren und eine Notrufnummer hinterlassen. Heute Morgen brennt nun auch Licht, schließlich läuft das Solarpanell auf vollen Touren.

Die Tour bietet atemberaubende Ausblicke besonders aber fasziniert uns der Wald. Solange wir in östlicher Richtung ganz am Rand eines Nordhanges aufsteigen, ist der Wald sehr dicht und lässt fast keinen Ausblick zu. Ein richtiger Märchenwald für Erwachsene. Dann wechseln wir in südlicher Richtung wieder dem Rio Claro zu. Hier in der prallen Sonne wechselt die Vegetation total. Der Wald lichtet sich und besteht hauptsächlich aus uralten Andenpinien.

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Schließlich gibt der Wald den Blick auch frei auf die nahen Anhöhen und entfernten eisverhüllten Vulkane. Der Rio Claro hat sich fast durchgehend ins das grau-weiße Grundgestein in Niedrigklammen eingegraben. An einem Zufluss von Norden her weitet sich das Tal etwas und ein Sandstrand gibt den Zugang frei. Schöne Badegumpen laden uns ein. Schnell sind die Kleider vom Leib aber das Wasser ist sehr, sehr kalt. Doch wir genießen die Abkühlung und fragen uns, wieso diese schöne Stelle den angstmachenden Namen ‚mala cara‘ trägt.

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Hätten wir mehr Zeit und eine bessere Ausrüstung würden wir gerne noch bis auf die Hochebene vorstoßen, doch unser Weg führt uns zurück in die Zivilisation und fahren über Schotterpisten, eine toll ausgebaute Landstraße und schließlich wieder die Ruta 5 zurück nach Linares.

Heute Abend werden wir noch die Eltern von Cony treffen, die seit August 2010 in Lahr-Sulz ein einjähriges FSJ ableistet.

 

17.03.2011 Antonia y Markus

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