Un grand fiesta

Es ist kaum zu glauben: Antonia und ich feiern mit Marta – Pete und Felipe Hochzeit. Vor zwei Wochen wussten wir nur, dass die beiden heiraten. Pete kennen wir von einigen Begegnungen, zwei davon bei uns in Freiburg. Einmal hat sie bei uns zu Hause übernachtet. Als wir sie und ihren novio Felipe bei ihrem Traupfarrer Padre Ernesto am vorletzten Sonntag getroffen haben, hatten wir gesagt, dass wir zur Trauung in die Kirche kommen würden. Ein paar Tage später rief die Braut dann an und hat uns zum Fest eingeladen.

Wir freuten uns sehr darüber und waren gespannt. Nun also war es 18:30 Uhr und wir trafen wie die anderen Gäste im Instituto, dem ehemaligen Colegio von Pete ein. Dort trafen wir einige Bekannte der Kolpingjugend Linares, Ingrid und Jorge aus Villarica, Bel (Monica) aus Santiago, Jose Miguel mit seiner Freundin Alejandra aus Temuco, Padre Ernesto und natürlich den äußerst nervösen Felipe.

Zum Glück hatte ich einen Anzug und eine ordentlich festliche Krawatte dabei, denn die Gäste waren gestriegelt und hatten ihre beste Robe an. Antonia kam sich in ihrem eher legeren Sommerrock, dann doch etwas underdressed vor.

Die Trauliturgie war schlicht und mit hohem Tempo dafür umso herzlicher von Padre Ernesto gestaltet. Ja jetzt sind die zwei Mann und Frau. Oder um die zentrale Stelle ihres Hochzeitsevangeliums zu zitieren: „… und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.“ Mk 10,8

Danach Gratulationsrunde im Innenhof der Schule: Brautkuss hier, eine feste Umarmung mit dem Bräutigam da. Weitere Bekannte aus Linares riefen sich uns herzlich bei der Begrüßung in Erinnerung. Nach den obligatorischen Brautleutefotos ratterte das Hochzeitsauto mit den weit verbreiteten Cola- und Bierdosen im Schlepptau davon. Wir führen unter Führung der ortskundigen Bel im Auto hinterher. Die Fahrt führt uns aufs Land in eine Gaststätte mit riesigem Außenbereich, Swimming-Pool, Restaurant- und Discobereich. Schnell füllte sich die Terrasse mit den Gästen und auch das Brautpaar erschien zum Sektempfang. Hier hielt der Brautvater eine sehr prägnante Rede, die Brautleute begrüßten ihre Gäste freudig und mit einigen Späßen. Und dann erfolgte eine total vereinzelte Geschenkübergabe. Das waren wir. Die Geschenke des CHAK und unseres, ein Glückwunschbuch und einen Gutschein waren die einzigen Gaben, die die Brautleute jetzt bekamen. Merke: In Chile bringt man die Geschenke vor der Trauung in Haus der Brautmutter. Soweit der Part interkulturelles Lernen.

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Zum Glück ging dann gewohnt weiter. Stehempfang mit Häppchen. Pisco Sour, Mango Sour, Veina oder Saft. Doch dieser Teil fand schon auf der Tanzfläche statt, es war sehr frisch geworden und die Damen waren doch eher sehr leicht gekleidet und die Gazeschals gaben nicht genügend warm. Hier wurde schon klar, die Lokalität war bestens gewählt, der Service aufmerksam, schnell und dennoch sehr angenehm. Zwei Kameraleute und eine Fotografin dokumentierten das Treiben und ein Moderator gab lautstark die Anweisungen. Also begaben wir uns an den Tisch sieben, dem Kolpingtisch. Tolles Essen und ein guter Wein sorgten für bestes Wohlbefinden. Auch das grundständige Eis für alle sowie ein super dekoriertes Nachtischbuffet kamen Bestens an. Aber dann befolgten doch fast alle der ca. 150 Gäste den Aufruf zum Tanz. Und jetzt ging es richtig ab. Tanz die ganze Nacht. Zum Teil animiert bewegten sich alle zu heißen Latino-Rythmen. Lediglich Einlagen wie eine Fotopräsentation, das Brautstraußwerfen, eine Strumpfbandaktion zwischen Braut und Bräutigam, eine weitere uns sich nicht ganz erschließende Aktion des Bräutigam ähnlich dem Brautstraußwerfen und natürlich der Anschnitt der Hochzeitstorte um 2:00 Uhr unterbrachen den kollektiven Tanz bei reichlich Flüssigkeitszufuhr von der Bar.

Es war ein tolles Fest und schließlich hatten wir ein längeres dreisprachiges Gespräch mit dem Bräutigamsvater, dessen Großvater in den 30er Jahren d.l. Jh. aus Hamburg nach Chile gekommen war. Señor Lengerich erzählte uns viel aus seiner Familie in recht gutem Deutsch gespickt mit englischen Vokabeln und auch immer wieder in Spanisch. Nachdem er uns drei seiner insgesamt sechs Kinder vorgestellt hatte, begann eine Art karnevalistisches Treiben auf der Tanzfläche. Wir beschlossen dann auf dem Höhepunkt des Festes nach Hause zu fahren. Eine unvergessliche Nacht ging gegen vier Uhr zu Ende.

Muchas Gracias an die Brautleute Pete y Felipe für die Einladung.

 

13.03.2011   Markus Essig

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