Archive für 14.3.2011

Lagunen und Flamingos

Tagesplanung beim Fruehstueck: Entschluss um 12:00 Uhr den Ausflug zu den Vulkanen und Lagunen Miscanti und Miniques mitzumachen.
Zuvor besuchten wir unseren Opa im Tante Emma-Laden. Wasser kaufen hiess die Devise.
Im Bus fuehrte uns der Weg ueber die staendig steigende Strasse nach Toconao (Minenarbeiterstadt). Mitten auf der B 23 hielt unser Guide an erzaehlte uns, dass hier ein starkes Magnetfeld strahlt. Wollt ihr den Beweiss? Wir glaubten ihm nicht, dass das Magnetfeld den mit 12 Personen besetzten Bus ohne Motorkraft rueckwaerts aus der Senke zieht. Wir fuhren hinab, er stellte den Motor ab und wie von Zauberhand wurde unser Auto rueckwaerts hochgezogen. Wir waren platt! Naechster Stopp war am suedlichen Wendekreis (Wendekreis des Steinbocks) Hier hinter ließen wir ein kleines Steingebilde, denn nach dem Glauben der Inka kehrt man dadurch an diesen Ort wieder zurueck. In Camar auf 3200 m gab es ein leckeres Mittagessen. Die Luft wurde duenner und Dieter nahm sein zweites Coca zu sich (ein Naturmittel der Indios gegen Hoehenkoller).
Die nun beginnende Schotterstrasse fuehrte uns ueber Serpentinen durch ein Lavafeld. Begleitet wurden wir von Vicunas (kleinste Lama-Art) auf 4200 m zu den Lagunen Miscanti und Miniques, die unterhalb der beiden Vulkanen mit gleichen Namen 5622m und 5910m liegen.

Welch ein Anblick! Das Tiefblau der Lagunen, die schneebedeckten Gipfel der Vulkane, die Farbvielfalt der Wuestenfauna und am Rande der Lagune glitzerten die weissen Salzkristalle.

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang fuehrte uns der Weg hinunter zur Salar de Atacama 2300m. Dieser erstreckt sich ueber ein Flaeche von 3000 km². Die Jagd mit dem Foto auf die dort lebenden Flamingos begann. Wir stellten fest, dass die hier lebenden Flamingos ‚Kolpinger‘ sein muessen, tragen sie doch in ihrem Federkleid die Farben orange und schwarz. Gerne haetten wir ihnen unsere Pins angesteckt, doch wir durften den Weg nicht verlassen.

Der Sonnenuntergang war fantastisch, die Salzwueste glitzerte in allen Farben.
Ueberwaeltigt von dieser tollen Natur traten wir den Heimweg an.

 

Eiskalte Melone, warme Trauben, geschmackloser Joghurt, weiche Bananen, trockene Kekse - das war unser Abendbrot.

Keine Angst, es geht uns sehr gut.

 

Tag 3 in der Atacamwueste
Herzliche Gruesse  Helga und Dieter - Herbert und Irene

Sonntag 13. Maerz 2011

Spuren im Sand

Wir verbrachten die erste Nacht in unserer gemuelichen Ferienwohnung in einem tipical Lehmbauhaus. Wir hatten immer fliesend warmes Wasser!!
Nach einem reichhaltigen Fruestueck machten wir uns auf den Weg ins Zentrum von San Pedro. Schon um 11:00 Uhr morgens brannte die heisse Sonne vom blauen Wuestenhimmel.
Von weitem hoerten wir Musik und sahen eine grosse Menschenmenge. Es war der Zieleinlauf des “Atacamalaufes 2011″ den Laeufer aus aller Welt erreicht haben. (4 Kontinente - zu je 6 Etappen - je 260 km). Waehrend der Stadterkundung versuchten wir unsere erste Tour zu planen.

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Kurz entschlossen starteten wir eine Stunde spaeter ins Valle de la Luna. Nicht ahnend was uns jetzt erwartet.
Nach einer Schotterfahrt und einem kurzen, steilen Anstieg erreichten wir etwas kurzatmig ein Hochplateau. Es oeffnete sich ein toller Blick in eine bizarre Fels- und Sandlandschaft. Anstatt des von vermuteten Rueckwegs zum Bus, forderte unser Guide uns auf die Schuhe auszuziehen, die Schnuersenkel zu verknoten und die Schuhe um den Hals zu haengen. Wir standen auf dem Kamm einer 300m hohen Sandduene. Jeder stuerzte durch den warmen, weichen Duenensand im Freestyle den Hang mit Gejohle hinab. Welch ein Genuss! Schade, dass ihr uns nicht beobachten konntet.

Naechster Stopp war die Wanderung ins Valle de la Luna. Ein steiler Weg fuehrte uns zum hoechsten Punkt einer Sand- und Felsduene. Der Sonnenuntergang verwandelte die Wuestenerde mit den schoensten Farbnuancen. Ein sensationeller Anblick! Still standen wir und staunten. Das fahle Licht des Mondes begleitete uns auf dem Weg zurueck zum Parkplatz, Wir glaubten das war‘s. Aber weit gefehlt.

Unser Guide versicherte sich nochmals, ob wir auch alle Taschenlampen dabei haetten.

Er fuhr mit uns zu einem einsamen Punkt in der Dunkelheit.

Ein kurzer Weg durch eine schmale Schlucht fuehrte uns in eine Salzgrotte. Gebueckt, schraeg, auf Knien und allen Vieren krochen wir einen steilen Weg in der Grotte empor. Gegenseitig sicherten wir uns den Weg mit unseren Taschenlampen. An manchen Stellen sahen wir durch die Felsendecke einzelne Sterne blitzen. Voellig fertig erreichten wir den Ausgang der Grotte. Ueber uns oeffnete sich der Sternenhimmel der suedlichen Erdhalbkugel. Alle Anstregungen waren auf einmal verflogen. Sternbilder, die wir nur aus Buechern kennen, waren uns zum Greifen nah. Erstmals sahen wir das Kreuz des Suedens. Dieser Anblick musste gefeiert werden und das taten wir bei einem gemuetlichen Abendessen (22:30 Uhr). Dass wir vollkommen verstaubt und voller Sand waren, hat uns dabei nicht gestoert.

 

Erste Verletzungen - Herbert Fuss, Dieter Kopf - wurden im Haus versorgt.

 

Tag 2 in der Atacamawueste
Es gruessen Euch

Helga u. Dieter - Herbert u. Irene

Samstag 12. Maerz 2011

Un grand fiesta

Es ist kaum zu glauben: Antonia und ich feiern mit Marta – Pete und Felipe Hochzeit. Vor zwei Wochen wussten wir nur, dass die beiden heiraten. Pete kennen wir von einigen Begegnungen, zwei davon bei uns in Freiburg. Einmal hat sie bei uns zu Hause übernachtet. Als wir sie und ihren novio Felipe bei ihrem Traupfarrer Padre Ernesto am vorletzten Sonntag getroffen haben, hatten wir gesagt, dass wir zur Trauung in die Kirche kommen würden. Ein paar Tage später rief die Braut dann an und hat uns zum Fest eingeladen.

Wir freuten uns sehr darüber und waren gespannt. Nun also war es 18:30 Uhr und wir trafen wie die anderen Gäste im Instituto, dem ehemaligen Colegio von Pete ein. Dort trafen wir einige Bekannte der Kolpingjugend Linares, Ingrid und Jorge aus Villarica, Bel (Monica) aus Santiago, Jose Miguel mit seiner Freundin Alejandra aus Temuco, Padre Ernesto und natürlich den äußerst nervösen Felipe.

Zum Glück hatte ich einen Anzug und eine ordentlich festliche Krawatte dabei, denn die Gäste waren gestriegelt und hatten ihre beste Robe an. Antonia kam sich in ihrem eher legeren Sommerrock, dann doch etwas underdressed vor.

Die Trauliturgie war schlicht und mit hohem Tempo dafür umso herzlicher von Padre Ernesto gestaltet. Ja jetzt sind die zwei Mann und Frau. Oder um die zentrale Stelle ihres Hochzeitsevangeliums zu zitieren: „… und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.“ Mk 10,8

Danach Gratulationsrunde im Innenhof der Schule: Brautkuss hier, eine feste Umarmung mit dem Bräutigam da. Weitere Bekannte aus Linares riefen sich uns herzlich bei der Begrüßung in Erinnerung. Nach den obligatorischen Brautleutefotos ratterte das Hochzeitsauto mit den weit verbreiteten Cola- und Bierdosen im Schlepptau davon. Wir führen unter Führung der ortskundigen Bel im Auto hinterher. Die Fahrt führt uns aufs Land in eine Gaststätte mit riesigem Außenbereich, Swimming-Pool, Restaurant- und Discobereich. Schnell füllte sich die Terrasse mit den Gästen und auch das Brautpaar erschien zum Sektempfang. Hier hielt der Brautvater eine sehr prägnante Rede, die Brautleute begrüßten ihre Gäste freudig und mit einigen Späßen. Und dann erfolgte eine total vereinzelte Geschenkübergabe. Das waren wir. Die Geschenke des CHAK und unseres, ein Glückwunschbuch und einen Gutschein waren die einzigen Gaben, die die Brautleute jetzt bekamen. Merke: In Chile bringt man die Geschenke vor der Trauung in Haus der Brautmutter. Soweit der Part interkulturelles Lernen.

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Zum Glück ging dann gewohnt weiter. Stehempfang mit Häppchen. Pisco Sour, Mango Sour, Veina oder Saft. Doch dieser Teil fand schon auf der Tanzfläche statt, es war sehr frisch geworden und die Damen waren doch eher sehr leicht gekleidet und die Gazeschals gaben nicht genügend warm. Hier wurde schon klar, die Lokalität war bestens gewählt, der Service aufmerksam, schnell und dennoch sehr angenehm. Zwei Kameraleute und eine Fotografin dokumentierten das Treiben und ein Moderator gab lautstark die Anweisungen. Also begaben wir uns an den Tisch sieben, dem Kolpingtisch. Tolles Essen und ein guter Wein sorgten für bestes Wohlbefinden. Auch das grundständige Eis für alle sowie ein super dekoriertes Nachtischbuffet kamen Bestens an. Aber dann befolgten doch fast alle der ca. 150 Gäste den Aufruf zum Tanz. Und jetzt ging es richtig ab. Tanz die ganze Nacht. Zum Teil animiert bewegten sich alle zu heißen Latino-Rythmen. Lediglich Einlagen wie eine Fotopräsentation, das Brautstraußwerfen, eine Strumpfbandaktion zwischen Braut und Bräutigam, eine weitere uns sich nicht ganz erschließende Aktion des Bräutigam ähnlich dem Brautstraußwerfen und natürlich der Anschnitt der Hochzeitstorte um 2:00 Uhr unterbrachen den kollektiven Tanz bei reichlich Flüssigkeitszufuhr von der Bar.

Es war ein tolles Fest und schließlich hatten wir ein längeres dreisprachiges Gespräch mit dem Bräutigamsvater, dessen Großvater in den 30er Jahren d.l. Jh. aus Hamburg nach Chile gekommen war. Señor Lengerich erzählte uns viel aus seiner Familie in recht gutem Deutsch gespickt mit englischen Vokabeln und auch immer wieder in Spanisch. Nachdem er uns drei seiner insgesamt sechs Kinder vorgestellt hatte, begann eine Art karnevalistisches Treiben auf der Tanzfläche. Wir beschlossen dann auf dem Höhepunkt des Festes nach Hause zu fahren. Eine unvergessliche Nacht ging gegen vier Uhr zu Ende.

Muchas Gracias an die Brautleute Pete y Felipe für die Einladung.

 

13.03.2011   Markus Essig

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