Archive für Februar 2011

Das katastrophale Erdbeben zeigt sich nach einem Jahr mit unsäglichem Ausmaß

Nach gutem Frühstück schleppen wir die schweren Koffer ins unseren Kleinbus und den neuen geländegängigen Dienstwagen von Juan Carlos. Auf geht es in den Süden. Wir verlassen die Hauptstadt bei strahlendem Sonnenschein auf der Ruta 5, der Panamericána. Ca. 40 km nach der Hauptstadt machen neu betonierte Übergänge und Brücken darauf aufmerksam, dass sie vor einem Jahr zusammen gebrochen waren. Doch erst nach dem wir von der als vierspurigen Hauptverkehrsader ausgebauten Ruta 5 abfahren, wird das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Vornehmlich traditionell aus Lehmsteinen – Adobe genannt – gebaute Häuser sind ganz oder teilweise eingestürzt. Dächer aus den traditionellen Wellenziegeln sind ganz oder teilweise abgedeckt. Zum Teil ist mit Wellblech oder Plastikplane das Nötigste ausgebessert, viele Häuser sind aber total unbewohnbar geworden.

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So auch das in Kolonialstil erbaute Pfarrhaus von Padre Ernesto in dem schönen Ort Coínco. Und erst die Kirche. An einer Stelle hat das  Erdbeben ein riesiges Loch in die meterdicke Außenwand gerissen. Der Putz ist in großen Placken abgefallen, die Wände mit riesigen Rissen durchzogen und die schon 1985 eingezogenen Stahlstützkonstruktion ist unter dem schadhaften Putz sichtbar. Der holzverkleidete Kirchturm ist schon um zwei Stockwerke gekürzt, die eingefallen waren. Die Kirche wird auf Jahre hin unbenutzbar sein. Eine Zeltkonstruktion einer Stiftung der Katholischen Kirche Chiles beherbergt nun die Gemeinde beim Gottesdienst. Und den feiern wir dann auch zusammen dort. Es ist trotz des traurigen Gedenkens an die Opfer und die Zerstörung der Naturgewalt eine fröhliche Feier. Oft zweisprachig, da die Tagestexte zweisprachig verkündet und die Predigt und die Grußworte von Antonia und Juliane übersetzt werden. Und das Fest setzt sich fort. Auch der Präsident des chilenischen Kolpingwerks Chile und die Präsidentin der Kolpingjugend Chiles Marta Pete sind gekommen. Pete hat ihren novio, ihren Bräutigam dabei, mit dem sie sich am 12. März das Sakrament der Ehe spendet.

Nach einer mitreißenden Tanzaufführung gibt es Gegrilltes mit tollen Salaten und gutem Wein und einigen Flaschen Kunstmann, das gute Bier, wie das Etikett ansonsten auf Spanisch in bestem Deutsch verrät. Unter einem hohen Dach an der mit Stahlträgern gestützten Kirchenwand lässt es sich im Schatten gut essen und mit allen Mitteln gut unterhalten. Spätestens beim gemeinsamen Tanz ist das Eis gebrochen. Es fällt schwer sich nach vier Stunden wieder zu verabschieden. Wir haben gespürt diese Menschen lassen sich nicht entmutigen, dank des Glaubens und dem Gefühl, dass man bei Kolping nie allein ist. Und weil sie Neues aufbauen konnten, wie das schöne, wenn auch kleine Pfarrhaus für Padre Ernesto auf der Rückseite der Kirche und neben dem Kirchenzelt.

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Wir fahren weiter durch den ‚campo‘, die  landwirtschaftlich genutzten Ebenen großer Flüsse aus den Anden in eine kleine Ortschaft mit dem schwer auszusprechenden Namen Larmahue. Eine Franziskanerin begrüßt uns. Einige andere Frauen und ein Mann sind auch noch da. Schließlich zeigt uns die Schwester die ebenfalls schwer beschädigte Kirche. Auch die Versammlungsräume daneben sind unbrauchbar geworden. Doch schon ist im Chorraum eine neue Decke eingebaut. Es wird also gearbeitet. Vor der Kirche dient ein schnell zusammengezimmerter Raum als Kapelle. Doch obwohl hier doch einiges improvisiert wurde hat die Kapelle eine einladende und wohnliche Atmosphäre. Doch unerträglich heiß ist es in ihr. Auch ein daneben errichtetes  Holzhäuschen mit einem großen Raum und einer Küche sind gut warm, als uns die Kolpingsfamilie Francisco de Asís   zum ‚once‘, zu einem Vesper einlädt. Und dann erzählt die Schwester Rachel von den regelmäßigen Dienstagstreffen der 16 Mitglieder, alles Frauen und ein Mann. Sie lesen immer das Tagesevangelium, tauschen sich darüber aus  und bezeugen sich gegenseitig, was das  Wort Gottes für ihr Leben bedeutet. Und sie stricken und häkeln schöne Schals, Stolen und Ponchos aus Wolle und verkaufen sie. Und auch wenn die Mitglieder sehr zurückhaltend sind, so spüren wir doch, die mit drei Jahren noch junge Kolpingsfamilie atmet ganz den Geist Adolph Kolping. Sie sind sehr dankbar, dass sie dank der zahlreichen Zuwendungen aus deutschen Kolpingsfamilien und unzähligen Einzelmitgliedern sie seit acht Monaten wieder einen Versammlungsraum nutzen können. Die Vorsitzende, Schwester Rahel ist so begeistert von der weltweiten Kolpingidee, dass sie alles daran setzt im Oktober aus Anlass der 20. Jährigen Seligsprechung nach Rom zu reisen. Die Einladungen in Kolpingsfamilien im Diözesanverband Freiburg hat sie schon sicher.

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Eine der Mitglieder der ‚Familia Kolping‘ hat wunderschöne Blumensträuße für die Frauen in unsere Gruppe gebunden. Die Blumen stammen aus ihrer eigener Zucht. Und sie erzählt uns von ihrem Kleinunternehmen so begeistert, dass wir trotz des nächsten Termins im Nacken noch ihre Gewächshäuser aus Foliendächern besuchen. Wir  lernen  eine gestandene und ideenreiche Kolpingschwester kennen, die dank eines Kolping – Microkredites sich eine Existenz aufbaut.  Schließlich decken sich einige von uns noch mit den hübschen Wollwaren ein, bei über dreißig Grad entbehrlich, aber zu Hause ist noch Winter.

Und schon geht es weiter: Wir fahren in die Nähe von San Vincente. Dort stand das Elternhaus von Oskar Diaz. Doch nach sieben Generationen ist jetzt nur noch die Bodenplatte aus aneinander gesetzten Betonplatten zu sehen. Die Schuttberge sind längst abgefahren, denn die Schwester von Oskar will bzw. muss hier neu bauen. Zwei Grundstücke weiter hat der Sohn von Oskar mit seiner Familie gerade das neu erbaute Haus bezogen, dass nun erdbebensicher konstruieret ist. Denn wie wir soeben erfahren haben, weiter im Süden hat die Erde schon wieder ordentlich gezittert . Es war ab er keine schwerwiegendes Erdbeben, ein ‚terremoto‘ sondern nur ein ‚temblor‘ , ein Erdzittern. Bei uns  war gar nichts zu spüren.

 

Weiter geht die Fahrt nach Nancagua in die gleichnamige Kolpingsfamilie, die uns zum Abendessen erwartet. Doch vorher zeigt uns Oligario sein Haus, stellt uns stolz seine Frau und seine zwei jüngeren Söhne vor.

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Noch wenige Kilometer der grandios untergehenden Sonne entgegen und wir erreichen die mit 16000 Einwohneren sehr große Streu-Siedlung Nancagua und steuern dort das saftig grün gestrichene Haus eines Kolpingmitglieds an. Hier begrüßen uns sonnengebräunte Männer mit kräftigen Muskeln und ein mit Kochschürze in Nationalfarben gekleideten Kolping-Küchen-Chef. Einige Frauen richten im Hintergrund die Salate, doch der Rest ist fest in Männer Hand. Die Begrüßungsrede schwingt der Presidente, der Bürgermeister gibt sich als Ehrenmitglied bei Kolping die Ehre, Männer bedienen uns und schenken vom hervorragenden Wein ein und der Hausherr zeigt uns stolz seine Holzwerkstatt in der zusammen mit anderen Kolpinbrüdern Fenster fertigt. Die Werkstatt ist frisch ausgebessert und aus Wiederaufbaumitteln aus der Kolpingsfamilie Busenbach wurde die Strominstallation neu verlegt, so dass die Holzbearbeitungsmaschinen nach internationalen Sicherheitsstandards nun mit Drehstrom laufen. Beim landestypischen Pastel de choclo, einem mit Maisbrei überbackenen Fleischeintopf haben wir mit den Männern und ihren Frauen und auch einigen ihrer Kinder schnell Kontakt. Es ist so unterhaltsam, dass wir anstatt um 9:30 Uhr erst kurz vor 23:00 Uhr die Zimmer in einem sehr schön gelegenen Gästehaus der Fokolarbewegung in Cunaco beziehen. Hier im Centro Mariapolis fallen wir ganz schnell ins Bett und können im Tiefschlaf das Erlebte verarbeiten. Die ausgiebige Schau in den grandiosen Sternenhimmel verschieben wir auf morgen. Gute Nacht.  Markus


Jubiläum über den Kanaren

Es ist vierundzwanzig Uhr und wir fliegen über die Islas Canarias. Irene wird sechzig Jahre alt. Es ist aber schon Ruhe im Flieger, daher singen wir das fällige Ständchen in spanisch und deutsch beim Zwischenstopp in Sao Paulo. “Das ist einmalig!” schwärmt das Geburtstagskind und strahlt.

Und mit der Ankunft in Santiago brennt auch die Sonne herunter. Es ist spürbar warm in Santiago. Einfach Sommer. Wir suchen den Schatten. Unsere Partner begrüßen uns mit wehenden Fahnen und aller Herzlichkeit.

Heute werden wir noch die Hauptstadt erkunden und den Geburtstag feiern. Schließlich haben wir wegen der Zeitverschiebung dazu auch vier Stunden mehr Zeit.



 

 

 

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